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Checklisten
Vorbereitung

Vorüberlegungen

Vor allem:
Keine Panik!

Lassen Sie sich nicht von Zeitdruck ins Bockshorn jagen. Stürzen Sie sich nicht sofort in Ihr Material, sondern überlegen Sie zuerst einmal, worin denn Ihre Aufgabe eigentlich besteht. Im allgemeinen kann man sie so zusammenfassen:

Sie sollen einem bestimmten Publikum einen bestimmten Inhalt so näherbringen, dass sich beim Publikum eine bestimmte Wirkung einstellt.

Folglich ist es wichtig, dass Sie sich zunächst überlegen, wer Ihr Publikum ist und was es von Ihnen wünscht und braucht.

Das macht es Ihnen einfacher Ihr Material auszuwählen, zu gewichten und zu strukturieren.

Fragen Sie sich also zuerst nicht:
Was soll oder muss alles ich sagen, bieten, leisten?

Fragen Sie sich zuerst:
Wem soll ich etwas mitteilen?
Was brauchen diese Menschen.

Wirksame Rhetorik geht vom Publikum aus! Deshalb:
Beginnen Sie Ihre Vorbereitung mit der Publikumsanalyse.


Das Publikum - Ihr eigentliches Ziel

Das Wichtigste an einer Rede ist das Publikum. Ohne Publikum macht eine Rede keinen Sinn. Nicht der Redner, die Rednerin soll etwas Neues hören, einen Zusammenhang verstehen, eine Einsicht gewinnen usw. – das Publikum soll das.

Deshalb sind Ihre inhaltlichen Ziele nicht nur von Ihrem persönlichen inhaltlichen Interesse abhängig, sondern in besonderem Masse von dem Ihres Publikums.

Nach Ihrer Rede sollte das Publikum über ein Mehr an Wissen, Einsicht, Unterhaltung usw. verfügen – es sollte einen "Mehrwert", einen irgendwie gearteten Nutzen aus Ihrer Rede ziehen können. An diesem Nutzen orientieren sich die inhaltlichen Ziele Ihrer Rede.

Ein Publikum ist nie ein "leeres Gefäss", das Sie allein mit Ihrer Rede "auffüllen". Ihr Publikum bringt im allgemeinen ein gewisses Vorwissen oder Umfeldwissen zu Ihren Inhalten mit. Zu diesem Wissen sollen sich die von Ihnen mitgeteilten Inhalte gesellen und dort neuen, zusätzlichen Sinn generieren.

Versuchen Sie also abzuschätzen, welche Vorkenntnisse, Einstellungen, (evtl. Emotionen) Ihr Publikum voraussichtlich mitbringt und was es braucht, um Ihre Mitteilungen aufnehmen zu können.

Passen Sie Ihre Wortwahl dem Publikum an. Verwenden Sie Fachsprache, soweit Ihr Publikum Fachpublikum ist. Meiden Sie Fachbegriffe, die dieses Publikum nicht kennt und nicht benötigt, ihm also nichts nützt.

Wählen Sie einen Sprachstil, der dem Publikum, dem Anlass und der Situation gerecht wird.

Ihr Publikum bestimt Inhalte und Formen!

Mit dem Publikumsinteresse vor Augen gehen Sie an die strukturelle und sprachliche Gestaltung Ihrer Rede.

 


Der Aufbau, die Struktur - ein Weg durch Gedankenlandschaften

Wirksame Rhetorik bietet dem Publikum gangbare Wege.

Die Struktur einer Rede stellt (bildhaft gesprochen) den Weg dar, den Sie zusammen mit Ihrem Publikum gedanklich gehen. Ihr Publikum ist eher bereit, Ihnen auf diesem Weg zu folgen, wenn er leicht gangbar, interessant und in der Abfolge der Schritte spannend und vielleicht sogar überraschend ist.


Die Strukturierung einer Rede gliedert einen Inhalt in seine thematischen Teilaspekte und gewichtet sie.
Die Strukturierung hilft,

  • einen (mehr oder weniger) komplexen Inhalt kommunizierbar zu machen.
  • Gedankenschritte für das Publikum (aber auch für Sie selbst!) nachvollziehbar zu gestalten.
  • inhaltliche Aspekte hervorzuheben.


Bevor Sie mit der Gliederung Ihrer Rede beginnen:

Formulieren Sie Ihre inhaltlichen Absichten in einigen wenigen Sätzen. Das kann dann zum Beispiel so klingen:
"Ich möchte meinem Publikum sagen, dass ..X... . Das lege ich dar, indem ich auf ... und ... hinweise. Um dies noch zu verdeutlichen, erkläre ich ... (Zusammenhänge, Funktionsweise, Abhängigkeiten, Chancen usw.). Ich gebe dann einen Überblick, was mein Publikum zu erwarten hat. Den Abschluss bilden eine knappe Zusammenfassung und der Verweis darauf, dass wirklich ..X.."

 

Standard-Gliederung

Eine strukturierte Rede ist in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert. Jeder dieser Teile hat eine spezifische Funktion:

Einleitung
begrüssen, das Thema / die Fragestellung nennen, Aufmerksamkeit erregen, Neugierde wecken, evtl. die Hauptaussage nennen usw.

Hauptteil
Teilaspekte verdeutlichen, Gedankengänge nachvollziehbar machen, darlegen, illustrieren, erzählen, argumentieren usw.

Schluss
zusammenfassen, folgern, Hauptaussage nennen, pointieren usw.
Dem Schluss kommt besondere Bedeutung zu, weil er am ehesten in Erinnerung bleibt.

Diese Standard-Gliederung lässt sich ausbauen und differenzieren - je nach Thema, Anlass, Absicht und Publikum.

 


Vorbereitungszeit: Nie hat man genug davon?

Vorbereitungszeit ist einerseits von der Rededauer abhängig, andererseits davon wie komplex der Vortragsinhalt sich gestaltet.
Darüber hinaus hängt die Vorbereitungszeit stark davon ab, ob Sie Ihr Referat aufgrund eines
ausgearbeiteten Manuskriptes oder
ohne Manuskript d.h. frei halten wollen.

Für frei gehaltene Reden und Referate brauchen Sie weniger Vorbereitungszeit.
Einige Tage
zur Vorbereitung und zum Üben können reichen,

  • wenn Sie nur Stichwortnotizen machen.
  • wenn Sie wissen, wovon Sie sprechen wollen.
  • wenn Sie sich in der Materie zu Hause fühlen.
  • wenn Sie Ihr Material zur Hand haben.

Im allgemeinen sind unter den genannten Bedingungen ein bis zwei Wochen Vorbereitung für frei gehaltene Reden optimal.
Sie haben dann auch ausreichend Zeit,

  • Distanz zu Ihrem Vorhaben zu nehmen,
  • Ihre Rede zu üben (idealerweise vor einem wohlgesinnten "Übungspublikum" oder einer Videokamera) oder aber
  • sich professionell beraten zu lassen.


Reden, die auf Manuskripten beruhen
, brauchen wesentlich längere Vorbereitungszeit, ausser Sie sind sehr geübt im Verfassen von Reden.

Dies liegt vor allem daran, dass wir beim Schreiben automatisch zu einer "Schreib-" und "Lese-Sprache" tendieren, die sich wenig fürs Sprechen eignet. Nur wenige Menschen sind in der Lage, schriftlich direkt in "Sprech-Sprache" und damit in einer "Hör-Sprache" zu formulieren.

Zudem haben wir beim Schreiben mehr Zeit zum Denken als beim Sprechen. Dies bewirkt, dass uns während des Schreibens immer neue Aspekte und Verzweigungen unseres Themas in den Sinn kommen und wir so Gefahr laufen, uns in irgendwelchen thematischen Nischen zu verlieren.

Manuskripte müssen meistens im Hinblick auf zwei Aspekte überarbeitet werden:
1. Manuskriptsprache ist im allgemeinen nicht mündlich genug.
2. Der Manuskriptaufbau orientiert sich häufig zu wenig an Hörgewohnheiten.

 


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geändert: 12.3.2001